Als die ersten Packstationen von DHL aufkamen, war ich super begeistert, weil damit das fortlaufend nervige Problem der Paketannahme für mich gelöst wurde. Die Paketannahme ist immer noch der größte logische Konzeptionsfehler beim Online-Shopping. Leider war nicht nur ich begeistert, sondern auch viele andere Leute und die Packstation fand regen Anklang. Vor allem an Weihnachten glich die Chance auf ein freies Fach in der Packstation einem Glücksspiel. Wenn die Packstation voll war, wurden meine Pakete zur Abholung immer an die Hauptfiliale der Post am Hauptbahnhof Mannheim umgeleitet. Wenn man damals etwas in der Hauptfiliale erledigen wollte, musste man immer gute Nerven (also viel Zeit) mitnehmen. Die Wartezeit hat sich angefühlt wie in einem Freizeitpark. Der Mehrwert der Packstation hat sich damit für mich völlig ins Gegenteil verdreht und irgendwann habe ich all meine Pakete wieder zu meinen Eltern zustellen lassen. Immerhin hatte ich dann immer einen Grund sie zu besuchen.
Diesen Ansatz habe ich dann für viele Jahre beibehalten. Zwischendrin bekam ich aber immer wieder ein schlechtes Gewissen, weil auch meine Eltern mal nicht zuhause waren und meine Mutter dann zur Post gehen musste, um meine Pakete abzuholen. Mama (wie Mamas halt so sind) hat zwar immer gesagt, „ach das ist doch kein Problem.“, aber in Wirklichkeit hat meine Mutter genug andere Dinge um die Ohren.
Letztes Jahr wurde dann bei uns im Stadtteil ein Amazon Locker aufgestellt. Ein Amazon Locker ist eigentlich dasgleiche wie eine DHL Packstation, nur halt exklusiv von und für Amazon. Das habe ich natürlich gleich ausprobiert. Und ich muss sagen, die Zustellung funktioniert eigentlich genauso wie bei allen anderen Dingen von Amazon – schnell, unkompliziert, reibungslos. Ich war derart begeistert, dass ich dachte, man könnte ja auch mal wieder der guten, alten Packstation eine Chance geben. Das System müßte sich mittlerweile theoretisch auch ein bisschen weiterentwickelt haben. Außerdem wurde vor ein paar Jahren die Hauptfiliale der Post am Hauptbahnhof Mannheim abgerissen, was mich zusätzlich ermutigte. Also ließ ich meine nächste Bestellung an die DHL Packstation liefern.
Zwei Tage später erhielt ich folgende Nachricht in die DHL App auf dem iPhone.
„Ihre Sendung konnte nicht zugestellt werden.“
Super! Das geht ja gut los, hab ich gedacht. Die Nachricht beinhaltet komischerweise auch keine Angaben darüber, wo ich das Paket nun abholen könnte. Ich recherchierte den Zustellstatus auf der Internetseite von DHL. Dort war eine Postagentur als Zustellort angegeben. Es handelte sich um den Schreibwarenladen im Stadtteil, der immer gut besucht ist (aber nicht wegen den Schreibwaren).
Am nächsten Tag ging ich zum angegebenen Geschäft und natürlich begrüsste mich eine sehr lange Schlange vor dem Postschalter. Zwar nicht so lange wie auf dem Hauptpostamt, aber für Schreibwarenladenverhältnisse war die schon arg lang. Als ich endlich an der Reihe war, zeigte ich die Nachricht der DHL-App vor (einen Abholschein hatte ich ja nicht).
Postagenturfrau: Ja, DHL war gestern da und wollte die Packstation-Pakete hier abgeben. Ich habe den wieder weggeschickt!
Marco: ?!?!?!?!
Postagenturfrau: Wir können das nicht auch noch machen. Wir haben dafür keinen Platz. Gucken Sie doch mal, was hier los ist. Sagen Sie das „denen“!!!!
Marco: ?!?!?!?!
Wie jetzt? Ich soll „denen“ (also DHL) sagen, dass die Postagentur in meinem Stadtteil, keine Pakete von der Packstation annimmt? Also ob ich bei DHL einen persönlichen Ansprechpartner hätte. Wahrscheinlich hat die Postagentur da wesentlich mehr Möglichkeiten, um das „denen“ zu sagen. Die Postagenturfrau wirkte genervt, aber ich war noch viel genervter. Da lässte dir EINMAL was zur Packstation zustellen. Total verwirrt verliess ich die Postagentur.
Kurz darauf unternahm DHL einen zweiten Zustellversuch an der Packstation und diesmal hat‘s funktioniert. Und im Nachgang muss ich der Postagentur eigentlich danken. Weil die nämlich keine Packstation-Pakete annehmen, kann DHL dort nichts hinterlegen. Ist die Packstation voll, bleibt dem DHL-Mann also nichts anderes übrig, als die Pakete wieder mitzunehmen und es am nächsten Tag erneut zu probieren. Der Prozess sitzt und funktioniert seit Monaten reibungslos. Voll super!